Die Taufe von St. Johannis / FöhrDas älteste und wertvollste Kunstwerk der Kirche ist die Taufe aus Granit.
Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und war mit Sicherheit schon Teil der
Vorgängerkirche. Der Stein stammt aus Gotland und wurde wahrscheinlich
in einer größeren Steinmetzschule hergestellt.
Aus derselben Künstlerwerkstatt ist noch ein Taufstein im Norden Schles-
wig-Holsteins zu finden. Er steht in der Kirche von Munkbrarup in Angeln.
Die Taufe von St. Johannis ist allerdings viel urtümlicher. Noch heute er-
kennt man deutlich die Mühe, die der Künstler gehabt hat, dem harten Mate-
rial Form und Gestaltung abzugewinnen. Eine Folge von Bildern erzählt von
Bedrohung und Bewahrung der menschlichen Kreatur.
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Bild 1 Bild 1 zeigt auf der rechten Seite das alte Motiv eines Lebensbaumes, der
seine Äste gen Himmel streckt. In der Erde verwurzelt steht er für das Ge-
schenk des Lebens, an dem der Mensch hängt und das er nicht verlieren will.
Hat er doch allen Grund, vor dem Tode Angst zu haben, denn ein Drache,
das Symbol des Bösen, hat ihn schon fast verschlungen, wie die Mitte des
Bildes deutlich zeigt. Mit beiden Armen klammert sich der Bedrohte an den
Ast des Baumes, wäh-rend nur noch Kopf und Schultern aus dem Maul des
Ungetüms hervorschauen.
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Bild 2 Doch Rettung ist in Sicht. Ein mächtiger Drachenkämpfer ist nämlich dem
Untier schon im Rücken (Bild 2). In der rechten Hand hält er ein Schwert,
mit dem er im Begriff ist, das wilde Tier zu erlegen. Der Blick ist entschlossen
auf den Gegner gerichtet und die Füße zeigen in Richtung des Kampfgeschehens.
Natürlich ist uns heute die genaue Absicht des Künstlers nicht bekannt. Doch
die alten Bildmotive lassen folgen-de Deutung wahrscheinlich sein.
Danach will der Künstler sagen: Die menschliche Kreatur ist in höchstem Maße
bedroht. Böse Kräfte wollen sich seiner bemächtigen. Doch ein mutiger Kämpfer
ist schon auf den Plan getreten, und er wird mit seiner Entschlossenheit und Be-
reitschaft das Leben zu retten wissen.
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Bild 3 Vom Altar aus betrachtet zeigt der Taufstein eine weitere interessante Ansicht.
Zwei mächtige Löwen sind zu sehen. Ihre Mähnen, Schwänze und gewaltigen
Tatzen flößen dem Betrachter Furcht und Schrecken ein.
Doch ganz offensichtlich wollen und können sie dem Menschen, der zwischen
ihnen auf einem schildkrötenähnlichen Tier hockt, nichts mehr anhaben, denn die
Gesichter der Löwen und der Schildkröte sind seltsam friedlich, beinahe als wä-
ren es Haustiere. Unterstrichen wird die Harmlosigkeit noch durch die feh-lenden
Unterkiefer. Diese Tiere haben ihre zerstörerische Macht verloren, und der Mensch
wird nicht mehr bedroht, sondern durch sie beschützt.
Die große Höhlung des Steines von oben war ursprünglich mit Wasser gefüllt.
Hier wurden die Täuflinge dreimal untergetaucht, im Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes, wie es im Taufbefehl (Matthäus 28) aufgeschrie-
ben ist. Dahinter steckt die Vorstellung, daß durch dreimaliges Un-tertauchen Tod
und Auferstehung symbolisiert werden können, wie Paulus in Römer 6 schreibt:„Wißt ihr nicht, daß alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen
Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit,
wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Va-ters,
auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6, 3f)
Wer untergetaucht wird, der wird im lebendigen Wasser aus dem alles Leben kommt,
dem Tod geweiht. Doch er wird sogleich auch wieder herausgezogen aus dem Tode
wie bei der Auferstehung am Ostermorgen und damit verbunden mit dem Schicksal
Jesu Christi, der als erster den Weg durch den Tod zum neuen Le-bengegangen ist.
So schließt sich der Kreis, und die Bilder Außen und das Handeln Innen fügen sich
ineinander.Ursprünglich hat der Taufstein sicher im Eingangsbereich der Vorgängerkirche des
12. Jahrunderts in Nieblum gestanden. Niemand sollte ja den geweihten Raum be-
treten, es sei denn, er wäre ein getaufter Christ.
Nach vielen hundert Jahren im Südquerhaus steht die Taufe seit der letzen Renovierung
der Kirche 1973 im nord-westlichen Teil des Chores. Dort fügt sie sich wunderbar dem Bild
des alten Gotteshauses ein und unterstreicht ihre Bedeutung für die Gemeinde Jesu Christi.
Allerdings werden schon lange keine Täuflinge mehr ganz untergetaucht. Ein Messingschale
aus dem 17. Jahrundert wird heute in die schmiedeisere Form gestellt, die am Beckenrand
aufliegt. Hierhinein wird Wasser gefüllt, das dann bei der Taufe dem Täufling über den Kopf
oder die Stirn gegossen wird.