Die Kanzel von St. Johannis / Föhr

 
 
 

Nach der Einführung der Reformation auf der Insel Föhr wurde die Predigt im Gottesdienst immer wichtiger. Die Gemeinde sollte die Auslegung der Schrift hören und so kam es 1618 zur Stiftung der Kanzel im Stile der Renaissance.

Sie hat die Form einer kleinen Empore, deren Mitte dreiseitig vorspringt. Eine strenge architektonische Gliederung durch Pilaster, breiten Sockel und Gebälk in antiker Form faßt Felder ein, in denen unter Bogenstellungen Flachreliefs die Heilsgeschichte Jesu Christi vor Augen führen. Über den Bildtafeln steht die Bibelstelle, darunter in altem Niederdeutsch ein Kommentar.
 
 

Über dem Aufgang sehen wir noch heute die Jahreszahl und darunter die Stifter: Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfect van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Boysen), Pastor der Gemeinde von 1604 - 1629.

Sie haben „DE CHRISTLIKE GEMENE
THO DISSER KARCKEN DISSEN PREDICHSTOEL THO GADES EHRE GEGEVEN“.

Die dargestellte Heilsgeschichte setzt lange von der Geburt des Heilands ein. Der Sündenfall ist dargestellt. Um den Baum der Erkenntnis schlängelt sich die Schlange, die der Eva zugeflüstert hat, doch ruhig von der verbotenen Frucht zu kosten. Sie reicht dem Adam den Apfel und er zeigt sein Interesse. Der erste Bund Gottes mit den Menschen zerbricht und sie müssen das Paradies verlassen und sich dem Leben stellen. Doch die Christen sind dabei nicht alleingelassen, denn der neue Bund ist schon geschlossen.

Der Engel  Gottes erscheint Maria. Die rechte Hand zum Himmel er hoben spricht  er sie an: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, den sollst du Jesus nennen“. Mit dem geöffneten Buch auf dem Lesepult zeigt der mittelalterliche Schnitzer die Bereitschaft der jungen Frau, die Botschaft des Engels zu hören und aufzunehmen.

Den Stall von Bethlehem kennzeichnen Ochs und Esel. Die Mauer im Hintergrund deutet eher auf ein vornehmes Gebäude hin. Doch durch die halb geöffnete Tür sieht man noch den Schweif vom hellen Stern, der dort stehen blieb, wo das Kind zur Welt gekommen war. Nackt und bloss liegt es auf einem Mauervor-sprung, nur vom Mantel der Mutter und ein wenig Stroh geschützt. Die Eltern sind ergriffen. Der Vater bedenkt das Geschehen, die Mutter blickst seltsam strahlend in die Ferne. Der Rucksack zeigt, daß  sie  nicht  zu  Hause sind, und der Engelchor besingt die heilige Nacht.

Der Stern hat weise Männer aus dem Morgenland gen Westen getrieben. Sein Licht aus den Wolken lugt durch das geöffnete Fenster . Voller Ehrfurcht knien die vornehm gekleideten Herren vor dem neuen „König“, und sie bringen ihm Gold Weihrauch und Myrre, bevor sie wieder um-kehren in ihre Heimat.
 

Da die Kanzel speziell für eine Johannis-Kirche geschaffen wurde, steht die Taufe Jesu durch Johannes am Jordan auch im Mittelpunkt unter dem Lesepult. Der Mann aus Nazareth steht mit den Füssen im Wasser und der Täufer begießt sein Haupt mit Flußwasser, daß er mit einer Schale geschöpft hat. Ein En-gel steht im Hintergrund, den Getauften abzutrocknen, und in den Wolken schwebt eine Taube als Zei-chen des Heiligen Geistes.
„DIT IS MIN  LEVE SOHN AN DEM ICK EIN WOHLGEFALLE HEBBE. DEN SCHOLE GI HOREN“, zitiert der Künstler die Bibel. Gott hat seinen Sohn noch einmal als sein Kind angenommen.

Die Kreuzigung  zeigt das mit Pflöcken im Boden gehaltene Kreuz vor einer Stadt. Darge-stellt ist die Szene in der Jesus spricht: „Weib, siehe, dies ist dein Sohn!“ und zu dem Jünger: „Siehe, das ist deine Mut-ter!“ Der sterbende ist von einer Wolke eingehüllt. Sie zeigt, daß Jesus nicht allein ist, sondern der Himmel ihn begleitet.

Ostern und Himmelfahrt sind in einer Tafel zusammengefaßt. Unten steigt der Auferstandene Christus aus dem Grab, die Hand zum Siegeszeichen erhoben. Oben sitzen, knien oder liegen fünf Jünger auf dem Berge und der Auferstandene wird vor ihren Augen in den Himmel emporgehoben. Mit diesem Bild endet die Geschichte Jesu Christi auf Erden, aber nicht seine Heilsgeschichte, denn diese wird erst vollendet sein, wenn er wiederkommt zum jüngsten  Gericht.

Vielleicht nicht zufällig in Richtung der Gemeinde aufgestellt beschreibt die letzte Votivtafel (Bild 10) das Wiederkommen Christi. Auf der Weltenkugel im Wolkenkreis hält er Gericht, und alle Gräber öffnen sich, die Toten stehen auf und werden vom Engel gewiesen, die einen nach oben zum Vater, die anderen nach unten in den Rachen des Todes, denn unser keiner lebt sich selber, denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige der Herr sei. (Rm 14)