Der Altar von St. Johannis / Föhr

    Kommt ein Besucher in die St. Johannis-Kirche, so fällt ihm sofort der prächtige Schnitzaltar ins Auge.
Er ist sehr wahrscheinlich im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in einer lübschen Werkstatt entstanden
und wenig später nach Föhr gekommen. Auf jeden Fall kam der Altar schon vor der Reformation auf die
Insel, denn es ist ein Marien-Krönungs-Altar. Nach der Reformation hätte man ein anderes Motiv gewählt.

    In geöffnetem Zustand zeigt der Flügelaltar, einer altertümlichen Tradition verpflichtet, eine einzige
Reihe von Figuren, die auf einem durchlaufenden Sockel aus Fischblasen-Maßwerk unter einzelnen
Baldachinen stehen. Im Zentrum sitzen Maria und Christus. Die Mutter Jesu hält die Augen andächtig
geschlossen und die Hände zum Gebet zusammengelegt, während Chri-stus mit der goldenen Krone
aus lauter Kreuzen und der Weltenkugel in der Hand ihr die Himmelskone aufsetzt.

Mittelschrein

 Um die beiden Mittelfiguren herum gruppieren sich Apostel- und Stifterfiguren. Links von Maria der Namenspatron der Kirche, Johannes der Täufer. Typisch für ihn sind das einfache Gewandt und der
Zeigefinger. Mit ihm weist er hin auf das Lamm, das Symbol für Christus, das auf einem Buch ruht,
dem noch nicht geöffneten Evangelium. Johannes der Täufer charakte-risiert sich so als Vorläufer des Menschensohnes, der auf ihn hingewiesen hat, noch bevor dieser in Erscheinung trat.

 Dem Vorläufer links korrespondiert der Nachfolger auf dem Stuhle Petri, der Papst Silvester
(314-335). Er führte die Kirche, als das Christentum im römischen Reich Staatsreligion wurde.

 Deutlich zu erkennen sind auch die weiteren vier Persönlichkeiten im Mittelschrein. Neben Johannes
dem Täufer steht Petrus. Seine Zeichen sind das geöff-nete Evangelium aus dem er predigt, und der
Schlüssel, der darauf zurückzuführen ist, das Jesus einmal zu ihm sagte: „Du bist Petrus, und auf diesen
Felsen will ich meine Gemeinde bauen ... Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ (Mt 16,18f)

 Neben Silvester steht an entsprechender Stelle der Apostel Paulus. Leider fehlt ihm sein Zeichen, das
Schwert, mit dem er wahrscheinlich im Jahre 67 hingerichtet wurde. Aber er hat noch das gut sammen-
gebundene Evangelium, das er zu den Heiden brachte. Der Hut mit der Muschel, die geöffnete Bibel und
die Umhängetasche kennzeichnen Jakobus, den Prediger, der das Evangelium bis nach Spanien brachte.
Ihm entspricht auf der linken Seite Andreas mit dem Kreuz auf dem Rücken, an dem er hingerichtet und
dort hängend noch zwei Tage lang gepredigt haben soll, wie das geöffnete Buch symbolisiert.

Schrein links

 Im linken Schrein stehen nebeneinander Simon, dem die Säge fehlt, mit der er durchbort wurde,
Judas, einer der Jünger, Bartholomäus, der Winzer war und der heute auch kein Messer mehr hat
und schließlich Matthäus, der von einer Helebarde erschlagen wurde.

Schrein rechts

 Im rechten Schrein stehen von links nach rechts: Johannes mit dem Giftkelch, den er leerte und
trotzdem nicht starb, Thomas der Prediger - Ihm fehlt die Lanze, von der er durchbort
wurde - , Philippus, dem das  Gabelkreuz    im    Laufe   der   Jahrhunderte   verloren
ging, und schließlich Matthias mit dem Beil, das sein Leben beendete.

Flügelaußenseiten

 Seinen guten Erhaltungszustand verdankt der Altar wahrscheinlich seinen beiden Flügeltüren,
die in allen Passionszeiten, also in den sieben Wochen vor Ostern und in der Adventszeit,
geschlossen waren und sind. Doch die Flügelaußenseiten sind nicht ohne Schmuck.
Geschlossen zeigt der Altar zwei besonders schöne Ölgemälde aus dem 15. Jahrhundert.
Beide zeigen Szenen aus dem Leben des Täufers.

 Auf der rechten Tafel erkennt man seinen Vater, Zacharias, der Prieser am Tempel in Jerusalem
war und dort die Begegnung mit dem Engel Gottes hatte, die sein Leben veränderte. „Fürchte dich
nicht, Zacharias“, sprach dieser, „denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen
Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ (Lk 1,13) Doch Zacharias konnte das
nicht glauben, und so wurde ihm als Zeichen Stummheit beschieden. Erst als das Kind geboren war,
konnte er wieder sprechen.  Der Altar zeigt ins Mittelalter versetzt, wie Elisabeth mit ihrem Gefolge
in das Gotteshaus tritt, und Zacharias im Ornat eines hohen Geistlichen seiner Stummheit wegen auf
einen Zettel schreibt: Er soll Johannes heissen.  Ist die Szene der Namensgebung noch relativ weit
verbreitet in der kirchlichen Kunst, so ist die Predigt des Täufers weit seltener bildlich dargestellt,
obgleich diese, seine Tätigkeit am Jordan, sehr gut bezeugt ist. Aus tiefer innerer Überzeugung glaubte
er, wie die Propheten Israels, zur Umkehr aufrufen zu müssen. „Es ist schon die Axt den Bäumen an
die Wurzel gelegt“, sagte er, „jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt wird abgehauen und ins
Feuer geworfen.“  (Lk 3,9)
 Auf der linken Tafel steht er hinter einem Pult, und die mittelalterlich gekleideten Zuhörer umringen ihn.
„Die Botschaft des Predigers von damals ist auch heute noch gültig!“ Das will der Künstler dem Betrachter
sagen. Deshalb malt er Menschen seiner Zeit und läßt sie die biblischen Begebenheiten nachvollziehen.

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