Die Restauration der St. Johanniskirche in Nieblum
Stand im Dezember 2008
Zu Beginn des Jahres 2008 schienen die Restaurationsmaßnahmen zum Stillstand gekommen zu sein. Wie in den vergangenen Jahren lagen keine Informationen des Rentamtes über den Stand der Kosten aus den voraufgegangenen Maßnahmen vor. Mit einer endgültigen Bilanz war nicht vor Jahresmitte zu rechnen.
Ich habe dann den Vorschlag unterbreitet, dass der Förderverein die Kosten für die Erneuerung des Südportals und des umgebenden Mauerwerks übernimmt. Dem hat der Kirchenvorstand zugestimmt.Das Mauerwerk über dem Südportal war einsturzgefährdet, wie dies ja bei der Restauration auch überdeutlich wurde.
Doch zunächst wurde im Februar 2008 an der Nordseite des Kirchhofs eine Lindenallee mit Mitteln aus der Fielmann-Sttiftung gepflanzt. 50 Sommerlinden werden einmal des Windschutz für den Kirchhof und die Kirche vor den Nordwinden bilden.
Über längere Zeit geführte Verhandlungen zwischen Förderverein, Kirchengemeinde und Ferring-Pharmaceuticals konnten zum Abschluss gebracht werden und Herr Dr.Frederik Paulsen erklärte sich bereit, für die Jahre 2008 bis 2010 erhebliche Fördermittel zur Verfügung zu stellen. Damit war der Weg frei, auch die Restauration der Sakristei in Angriff zu nehmen.
Wie bei den Umfassungswänden des Kirchenschiffs galt es auch hier, schadhaftes Mauerwerk zu entfernen, Betonschüttungen abzutragen und die durch Fäulnis schadhaften Fußpunkte der Dachsparren und Schwellhölzer, die  großenteils einbetoniert waren, zu erneuern (s. Protokoll Architekt D.Fröhler vom 21.Mai 2008). Der Nordgiebel der Sakristei musste weitgehend abgetragen werden. Bei dem Wiederaufmauern im historisch korrekten Blockverband wurden die Blendfenster in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt, die Innenflächen mit einem Kalkputz versehen. Anstelle eines Anstrichs wurde eine Mörtelschlemme aufgetragen, die die Architektur der Blendfenster besonders schön hervorhebt.

Abb.: Nordwand der Sakristei mit den Blendfenstern              

Dachbalken, Sparren und Liegehölzer wurden erneuert, das Dach mit Lärchenholzbrettern eingeschalt und dann mit Bleiplatten eingedeckt. Kupfer-Dachrinnen und -Fallrohre bilden den sichtbaren Abschluss der Wiederherstellung. An der Ostwand der Sakristei finden sich verschiedene Erprobungsflächen zur Backstein- und Fugensanierung, die noch für einige Zeit belassen werden müssen. Vom Dachraum der Sakristei besteht ein Zugang zum Kircheninnern über der nördlichen Empore des Chorraums. Dieser Zugang wurde für eine spätere Öffnung nach Abschluss der Innenrestauration vorbereitet. Ergänzend erfolgte der Einbau eines Dachfensters in die Westseite der Dachfläche.

Nach dem Absichern des südlichen Kircheneingangs wurde das Mauerwerk schrittweise abgetragen. Die gesamte Umfassung des Südportals hatte sich vom weiter innen gelegenen alten Mauerwerk abgelöst und stürzte zum Teil in großen Flächen ab. Glücklicherweise kam hier wie schon bei den bisher erfolgten Arbeiten niemand zu Schaden. Die Südfassade wurde durch Stützen großflächig abgesichert. An der Abrissfläche zeigten sich die Umrisse eines ursprünglichen sehr großen Eingangsportals, wie es bis zum 18.Jahrhundert wohl bestanden hat. Die Verkleinerung dieses Portals war offensichtlich notwendig geworden, nachdem der Einbau der Empore des J.J.Eschels an der Südseite des Langhauses zu einer wesentlichen Schwächung der Außenwand und statischen Problemen geführt hatte. Aus den gleichen statischen Gründen konnte die  kurz angedachte Wiederherstellung des Portals in der alten Form und Größe nicht realisiert werden. Doch wurde das Portal auf eine Durchgangsbreite von 165 cm vergrößert. Es gelang sehr schön, die Symmetrie zur Sonnenuhr und dem gotischen Fenster über dem Portal zu wahren

Abb.: Abrissflächen des ursprünglichen Portals   

und das Südportal in erneuerter Form

Um die Gestaltung der Eingangstür gab es und gibt es noch einen großen Dissenz zwischen dem Architekten und mir. Die derzeitige Gestaltung ist sicher nicht endgültig. Form und Farbgebung und die rahmenlose Ausführung sowie das Oberlicht sind umstritten. Die Gestaltung der Tür muss auch im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Innern in diesem Bereich und der Gestaltung des Windfangs gesehen werden. Leider gibt es für diese Tür kein gesichertes Archivmaterial aus der Zeit vor 1900, auf das die Planung hätte zurückgreifen können. Die Vorgängertür aus der Zeit vor 1970 war als einfache Stalltür mit innenliegenden Schmiedegehängen, einem kleinen Türausschnitt rechts als Eingang und zwei kleinen Fenstern im Oberlicht ausgeführt. Diese Form konnte nicht mehr übernommen werden.

Ausblick

Für das Jahr 2009 sind vom Förderverein zu finanzierende Restarbeiten an der Südfassade des Chors und der Ostwand des Südseitenschiffs geplant und schon großenteils abgeschlossen. Auch die Sanierung des kleinen Ziegeldachs über der sog. Frauenpforte steht noch an.
Die Kirchengemeinde muss sich ganz auf die Wiederherstellung der defekten Heizungsanlage konzentrieren, zu der eine eingehende Projektplanung eingeleitet worden ist. Modelle von Wandflächen- oder Fußbodenheizungen wurden aus Kostengründen aber auch aus Gründen der Logistik verworfen. Die Entscheidung ist zugunsten der vollständigen Erneuerung und Optimierung der bisherigen Anlage gefallen. Die Umstellung auf Gasbetrieb  ist bereits erfolgt.
Nach dem Ende der Konzert-Saison ist die Innenrestauration der Wände des Langhauses vorgesehen, die bis Weihnachten abgeschlossen sein soll.
Zur Restauration des Turms reichen die derzeit absehbar zur Verfügung stehenden Mittel  nicht aus.
Sie bleibt zunächst frommer Wunsch.

Voller Dankbarkeit sehen die Kirchengemeinde und der Förderverein der St.Johanniskirche auf das bisher Erreichte. Die kommende Zeit wird neue Herausforderungen stellen, doch besteht nach den bisherigen Erfahrungen eine berechtigte Gewissheit, dass die Restaurationsarbeiten in den Folgejahren zu einem Abschluss gebracht werden können.
Endgültig zuende gebracht werden können die Restaurationsmaßnahmen bei einem so alten und für die kleine Kirchengemeinde übergroß dimensionierten Gebäude nicht.

Dr. Hans Dieter Birkhoff, Vorsitzender

 
 
 





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